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<title>Transitivität (Grammatik)</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Transitivität (Grammatik)</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Transitivität</b> (von <a href="Latein" title="Latein">lat.</a> <i>trānsitiō</i>, Hinübergehen, Übergang) ist eine grammatische Eigenschaft, die einem <a href="Verb" title="Verb">Verb</a> oder insgesamt einer Konstruktion oder einem <a href="Satz_(Grammatik)" title="Satz (Grammatik)">Satz</a> zugeschrieben werden kann. Transitivität liegt vor, wenn im Satz sowohl ein <a href="Subjekt_(Grammatik)" title="Subjekt (Grammatik)">Subjekt</a> als auch ein (direktes) <a href="Objekt_(Grammatik)" title="Objekt (Grammatik)">Objekt</a> vorliegt bzw. vom Verb verlangt wird. Als <i><a href="Intransitivit%C3%A4t_(Grammatik)" title="Intransitivität (Grammatik)">intransitiv</a></i> werden Konstruktionen bzw. Verben bezeichnet, die kein (oder, je nach Definition, kein direktes) Objekt haben. Liegen zwei Objekte vor, so nennt man die Konstruktion bzw. das Verb <i>ditransitiv</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Begriffsvarianten">Begriffsvarianten</h2></div>
<p>Der grammatische Begriff der Transitivität kommt in Varianten vor, die sich danach ordnen lassen, wie weit oder eng gefasst die Bedeutung ist:
</p>
<dl><dt>Transitivität im weitesten Sinn</dt>
<dd>Transitiv (1) ist ein Verb, wenn es neben dem Subjekt noch ein grammatisches Objekt verlangt (egal welche Art von Kasusmarkierung das Objekt hat). Diese Definition findet sich vor allem in der <a href="Sprachtypologie" title="Sprachtypologie">Sprachtypologie</a>,<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wo man naturgemäß mit Variation im Ausdruck von Verb-Objekt-Beziehungen zu tun hat.</dd></dl>
<dl><dt>Transitivität im weiten Sinn</dt>
<dd>Transitiv (2) ist ein Verb, wenn es neben dem Subjekt noch ein Akkusativobjekt verlangt.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></dd></dl>
<dl><dt>Transitivität im engsten Sinn</dt>
<dd>Transitiv (3a) ist ein Verb, wenn es neben dem Subjekt ein Akkusativobjekt verlangt und dieses Akkusativobjekt außerdem im Passivsatz zum Subjekt aufrücken kann.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> (3b): Eine Variante dieser Definition, die geringfügig weiter ist, fordert ein Akkusativobjekt, das auch als Bezugswort eines adjektivischen Partizip Perfekt Passiv dienen kann.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></dd></dl>
<p>Verben, bei denen sich der Unterschied zwischen Definition (2) und (3) auswirkt, sind statische Verben wie <i>etwas haben / enthalten</i> und Emotionsverben in Sätzen wie <i>Das regt mich auf.</i> Diese Typen von Verben haben Akkusativobjekte (transitiv im Sinne (2)), aber haben keine entsprechenden Passivsätze (nicht transitiv im Sinne (3a)). Manche erlauben jedoch Partizipien („Geld in noch nie gehabten Mengen“) und würden dann nach Definition (3b) doch als transitiv bezeichnet werden.
</p><p>Abgesehen von Akkusativ-Objekten gibt es bei verschiedenen Verben auch adverbielle oder prädikative Ergänzungen, die ebenfalls Akkusativ tragen können. Diese ergeben aber keine transitive Konstruktion. Die entscheidende Eigenschaft von Akkusativ-Objekten ist, dass hier der Kasus vom Verb <a href="Rektion" title="Rektion">regiert</a> ist (wogegen Adverbiale freien Kasus haben und Prädikativa Kongruenzkasus). Für Einzelheiten zu dieser Abgrenzung siehe den Artikel <a href="Objekt_(Grammatik)" title="Objekt (Grammatik)">Objekt (Grammatik)</a> und dort verlinkte Artikel.
</p><p>Für eine Erläuterung, woran man erkennt, dass in einer Sprache Akkusativ als Kasus vorliegt, siehe den Artikel <a href="Akkusativsprache" title="Akkusativsprache">Akkusativsprache</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Transitive_Verben_und_transitive_Sätze"><span id="Transitive_Verben_und_transitive_S.C3.A4tze"></span>Transitive Verben und transitive Sätze</h2></div>
<p>Die Transitivität wird oft als eine Eigenschaft dargestellt, die der Klassifizierung von Verben dient, d. h. Verben, die „ein obligatorisches oder fakultatives direktes (...) Objekt haben.“<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dieser Verweis auf „fakultative Objekte“, ebenso wie die Formulierung „das Verb fordert...“ in den obigen Definitionen, hat den Hintergrund, dass tatsächlich oft ein und dasselbe Verb mit oder ohne Objekt vorkommen kann. Dies kann auch mit leichten Bedeutungsunterschieden verbunden sein:
</p>
<ul><li><i>Der Hund hat den Briefträger <b>gebissen</b>.</i></li>
<li><i>Vorsicht, der Hund <b>beißt</b>!</i></li></ul>
<p>Der zweite Beispielsatz hat eine verallgemeinernde Bedeutung, der erste beschreibt eine einzelne Situation. Der Begriff „transitives Verb“ erfordert es also auch, dass Bedingungen bzw. Varianten angegeben werden, in denen ein Objekt weggelassen werden kann, also in denen ein „transitives“ Verb in einer intransitiven Konstruktion vorkommt. Verallgemeinerung oder auch Betonung der Art und Weise eines Geschehens sind Beispiele für Faktoren, die eine Weglassung des Objekts bei an sich transitiven Verben begünstigen.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Des Weiteren gibt es Konstruktionen, in denen ein transitives Verb oberflächlich intransitiv wird, weil das Objekt schon durch eine Wortzusammensetzung im Verb eingebracht wird, siehe hierzu den Artikel <a href="Inkorporation_(Linguistik)" title="Inkorporation (Linguistik)">Inkorporation (Linguistik)</a>.
</p><p>Der Begriff der transitiven Konstruktion wird auch deswegen eigenständig benötigt, weil ebenso der umgekehrte Fall möglich ist, dass ein Akkusativobjekt bei einem intransitiven Verb vorkommt. Ein solcher Fall sind intransitive Verben, bei denen quasi die Verbbedeutung als Objekt verdoppelt wird (<a href="Etymologische_Figur" title="Etymologische Figur">Etymologische Figur</a>), z. B. „einen heldenhaften Kampf kämpfen“. Ein anderer Fall entsteht dadurch, dass das Verb noch ein <a href="Resultatives_Adjektiv" class="mw-redirect" title="Resultatives Adjektiv">resultatives Adjektiv</a> bei sich hat:
</p>
<ul><li><i>Er hat den Teller<b> leergegessen</b>.</i></li></ul>
<p>In dieser Konstruktion liegt die <i>intransitive</i> Variante des Verbs „essen“ vor, denn der Teller ist nicht das Objekt, das gegessen wird. Das Akkusativobjekt „Teller“ bezieht sich im engeren Sinn nur auf „leer“, der Zusatz dieses Adjektivs bringt also das Objekt ein. Sinngemäß wäre die Gliederung: „[den Teller leer] essen“, d. h. „Essen (intr.) bewirkt, dass der Teller leer wird“. Erst auf der Ebene des zusammengesetzten Prädikats „leer-essen“ liegt Transitivität vor.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verb-Alternationen_und_Transitivität"><span id="Verb-Alternationen_und_Transitivit.C3.A4t"></span>Verb-Alternationen und Transitivität</h2></div>
<p>Weiter können transitive und intransitive Konstruktionen nebeneinander bestehen, die oberflächlich so aussehen, als würden sie dasselbe Verb enthalten. Dies ergibt sich, wenn eine <a href="Kausativ" title="Kausativ">Kausativform</a> („bewirken, dass …“) eines „zunächst“ intransitiven Verbs (lautlich) mit diesem zusammenfällt (was teils auf die lautliche Entwicklung der Sprache zurückgeführt wird):
</p>
<ul><li><i>Das Kind <b>zerbricht</b> den Teller.</i> (transitiv, bewirkt:) <i>Der Teller <b>zerbricht</b>.</i> (intransitiv)</li>
<li><i>Die Mutter <b>kocht</b> die Milch.</i> (transitiv, bewirkt:) <i>Die Milch <b>kocht</b>.</i> (intransitiv)</li>
<li><i>Die Sonnenstrahlen <b>schmelzen</b> die Schneemänner.</i> (transitiv, bewirkt:) <i>Die Schneemänner <b>schmelzen</b>.</i> (intransitiv)</li></ul>
<p>Während jedoch oben ein „grundsätzlich“ transitives Verb (fakultatives Objekt) als <i>intransitiv gebraucht</i> erscheint, legt jedenfalls die historische lautliche Entwicklung der Kausativform im Fall „<a href="Kausativ#Kausativ_im_Deutschen" title="Kausativ">schmelzen</a>“ die Auffassung nahe, dass links und rechts <i>verschiedene</i> Verben mit unterschiedlicher Bedeutung stehen (transitive und intransitive „Variante“), bei denen („zufälligerweise“) <a href="Homophon" title="Homophon">Homophonie</a>/<a href="Homograph" title="Homograph">Homographie</a> vorliegt, wie bei „Ball“, der ein Spielgerät oder eine Tanzveranstaltung sein kann. Das eine Verb ist typisch transitiv, das andere typisch intransitiv. Ein analoges Beispiel <i>ohne</i> Homophonie ist
</p>
<ul><li><i>Die Mutter <b>setzt</b> das Kind in den Kindersitz.</i> (transitiv, bewirkt:) <i>Das Kind <b>sitzt</b> im Kindersitz.</i> (intransitiv)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Transitivität_als_semantische_Eigenschaft"><span id="Transitivit.C3.A4t_als_semantische_Eigenschaft"></span>Transitivität als semantische Eigenschaft</h2></div>
<p>Um Transitivität auch <a href="Semantik" title="Semantik">semantisch</a> beschreiben zu können, verwenden Hopper/Thompson (1980: 252) folgende semantische Merkmale, die in einzelnen Sätzen gegeben sein können oder auch nicht (in deutscher Übersetzung):
</p>
<table class="wikitable">
<tbody><tr>
<th></th>
<th>hohe Transitivität</th>
<th>niedrige Transitivität
</th></tr>
<tr>
<td><a href="Aktionsart" title="Aktionsart">Aktionsart</a></td>
<td>telisch</td>
<td>atelisch
</td></tr>
<tr>
<td><a href="Aktionsart#Übersicht_über_die_Aktionsarten" title="Aktionsart">Punktualität</a></td>
<td>punktuell</td>
<td>nicht-punktuell
</td></tr>
<tr>
<td><a href="Affirmation" title="Affirmation">Affirmation</a></td>
<td>affirmativ</td>
<td>negativ
</td></tr>
<tr>
<td>Betroffenheit des Objekts (engl. <i>affectedness</i>)</td>
<td>total betroffen</td>
<td>nicht betroffen
</td></tr>
<tr>
<td>Individualisierung des Objekts</td>
<td>stark individualisiert</td>
<td>nicht individualisiert
</td></tr></tbody></table>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Paul J. Hopper u. Sandra A. Thompson: <i>Transitivity in grammar and discourse</i>. In: <i>Language</i>. Bd. 56, Heft 2, 1980, S. 251–299.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Als Transitivität im weiten Sinn so dargestellt in Seppo Kittilä: <i>Transitivity Typology.</i> In: Jae Jung Song (ed.): <i>The Oxford Handbook of Linguistic Typology.</i> (Reihe: <i>Oxford Handbooks Online</i>). <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.oxfordhandbooks.com/view/10.1093/oxfordhb/9780199281251.001.0001/oxfordhb-9780199281251-e-018">Online,</a> 2012. Siehe Abschnitt 2.1.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Duden. Die Grammatik.</i> 8. Auflage. Dudenverlag, Mannheim 2009. – S. 392f. / Rand-Nr. 526–530. Man beachte die verschiedenen Typen von Akkusativobjekten dort, im Gegensatz zur "engen" Definition von Transitivität.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Helmut Glück (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 4. aktualisierte u. überarbeitete Auflage. Verlag J. B. Metzler, Stuttgart u. Weimar 2010, ISBN 978-3-476-02335-3. Lemma: „Transitiv“ S. 721.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Stefan Schierholz, Pál Uzonyi (Hrsg.): <i>Grammatik: Formenlehre.</i> (= <i>Wörterbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft</i> (WSK), 1.1). Walter de Gruyter, Berlin 2022. – Lemma: „Transitives Verb“ S. 738.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"><i>Grammis</i> – Grammatisches Informationssystem des IDS Mannheim. <i>Systematische Grammatik:</i> <a rel="nofollow" class="external text" href="https://grammis.ids-mannheim.de/systematische-grammatik/950">Transitivität bei Verben mit Akkusativkomplement</a>. (Online; abgerufen am 16. Februar 2022).</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text"> Zitat aus Glück (ed.): <i>Metzler Lexikon Sprache</i> (2010), Lemma „Transitiv“.</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Karin Pittner & Judith Berman: Deutsche Syntax. Ein Arbeitsbuch. 4. Auflage. Narr, Tübingen 2010. S. 46</span>
</li>
</ol>
<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable normdaten-typ-s" style="border-style: solid; border-width: 1px; clear: left; margin-bottom:1em; margin-top:1em; padding: 0.25em; overflow: hidden; word-break: break-word; word-wrap: break-word;" id="normdaten">
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Normdaten (Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4204861-8">4204861-8</a></span> </div>
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